ArbeitsgruppenAG Favrot-Karten

„Favrot-Karte von Rheinhessen“


Im Landesarchiv Speyer befinden sich drei topografische Karten, handgezeichnet und koloriert, aus der Zeit des Pfälzischen Erbfolgekrieges, Entstehungszeit ca. 1690. Sie umfassen den nördlichen Teil der Oberrheinischen Tiefebene, die nördliche Karte reicht vom Rheingau bis südlich Alzey, die mittlere von Alzey bis Deidesheim und die südliche von Deidesheim bis Weißenburg im Elsaß. West-Ost Ausdehnung ca. Kaiserslautern bis östlich Mannheim. Diese Karten wurden im Frühjahr 2013 eingescannt und liegen seitdem digital vor. Der Altertumsverein Alzey hat Dateien der nördlichen und mittleren Karte angekauft und einen 1:1 maßstabgerechten Ausdruck auf Plastikplane erstellen lassen.

Es hat sich nun eine Arbeitsgruppe gebildet, die die Karten zu verschiedenen Themen – z.B. Geschichte, Geografie, Morphologie – beschreiben, bearbeiten und mit zeitgenössischen gedruckten und handgezeichneten Karten vergleichen möchte.

Bei den Karten handelt es sich um französische Kriegskarten um 1690, entstanden in der Zeit Ludwigs des XIV., gezeichnet unter der Leitung von Joseph Claude Favrot. Er lebte 1668-1707,war Brigade-General und Geograf. Er war auch für Karten von Flandern, Lothringen und Luxemburg verantwortlich. Unter der Leitung von Vauban war er auch an der Planung der Festung Verdun beteiligt.

Wie unsere Landschaft erfasst wurde, ist noch nicht geklärt, jedenfalls ist das Ergebnis bewundernswert. Es wird angenommen, dass bei militärischen Bewegungen und der zeitweiligen Besetzung unserer Gegend durch französisches Militär nicht versäumt wurde, kartografische Aufnahmen im Vorgelände von Festungen, z.B. Landau, Philippsburg, durchzuführen. So ist die Pfalz und damit auch das heutige Rheinhessen in die Geländeaufnahmen von Favrot und anderen Militärkartografen einbezogen worden.

Die Landschaft wird mit ihren Höhen und Tiefen plastisch dargestellt. Die Karten sollten den marschierenden Truppen des französischen Königs die örtlichen Verhältnisse aufzeigen: Topografie, befestigte Orte, Burgen, auch kleinere Burgen, Mühlen als Proviantquelle, Brücken und Verlauf der Bäche und Flüsse und endlich geplante und durchgeführte Stellungen. Markante Punkte, z.B. Galgen, Windmühlen oder große alleinstehende Bäume, wurden als Orientierungshilfe eingezeichnet.

Die nördliche Karte umfasst große Teile des heutigen Rheinhessens. Daher bietet es sich an, damit einen Beitrag zur anstehenden 200-Jahr Feier Rheinhessens zu leisten. Geplant ist ein Kolloquium („Alzeyer Kolloquium“) mit dem Arbeitstitel „Rheinhessen auf historischen Karten“ im Spätjahr 2016. Im Jahr 2017 soll dazu eine Publikation erscheinen.



 

Rolf-Konrad Becker

Kontakt Arbeitsgruppe:

rolfkonradbecker@gmail.com

Tel. 06731-42884

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